Moderation und Moderationsmethoden

Moderationsmethoden
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Aus gegebenem Anlass habe Ich mich mit dem Thema Moderation sowie verschiedenen Moderationstechniken auseinandergesetzt. Die folgenden Aufzeichnungen sind für viele Fälle, in denen im Team eine Problemlösung gefunden werden soll anwendbar.

Hört man das Wort „Moderation“, so kommen einem Assoziationen, die sicherlich in den meisten Fällen etwas mit den Medien zu tun haben. Moderatoren können jedoch nicht nur Personen wie Stefan Raab oder Andreas Türk sein, sondern auch alle anderen Menschen, die eine Gruppe bei einer bestimmten Zielfindung leiten sollen. Dies ist oft in Unternehmen der Fall. Eine Zielfindung soll bei der Moderationsmethode zumindest fernab der Massenmedien in Form von Gruppenarbeiten erbracht werden, in denen jedes Gruppenmitglied einen Beitrag zur vorher definierten Zielsetzung leistet.
Eine Talkshow kennzeichnet sich vielleicht nicht durch ein Dutzend hemdtragende Gruppenmitglieder, die gemeinsam herausfinden, wer der Vater eines Kindes ist – doch trotzdem steht auch hier die Problemlösung (z.B. Lösung eines Konfliktes) im Vordergrund.
Der wichtigste Aspekt der Moderation seitens des Moderators ist die Leitung zu diesem bestimmten Ziel hin. Darauf deutet schon der dem Begriff zugrunde liegende lateinische Begriff „moderare“ hin, welcher soviel wie „mäßigen“, „steuern“ und „lenken“ bedeutet. Demnach ist der Moderator in erster Linie ein Führer. In dem Ausmaß, in dem für den Moderator eine gezielte Führung wichtig ist, ist für ein zufriedenstellendes Ergebnis auch die Gruppe und der Prozess, an dem diese aktiv teilnimmt, von großer Bedeutung. Jedes Gruppenmitglied hat eigene Stärken und Kompetenzen, die sich konstruktiv nutzen lassen. Damit jeder Schritt zum Ziel hin transparent, nachvollziehbar und geordnet bleibt, sind alle Arbeitsschritte systematisch festgelegt. Zusammenfassend lässt sich festhalten:

  • Es steht ein Problem im Raum, das von einer Gruppe gemeinsam gelöst werden soll
  • Erbrachte Arbeitsschritte folgen logisch aufeinander und bestehen aus einer sinnvollen Gliederung
  • Der Moderator leitet und unterstützt den Vorgang systematisch und strukturiert
  • Ergebnisse sollen transparent sein

Die Vorteile der Moderationsmethode

Wo ein Problem ohne Moderator gelöst werden soll, herrscht oft Chaos: Menschen neigen dazu, von einem Thema zum Anderen zu springen und sich nicht auf einen Punkt zu fokussieren. Die Moderationsmethode soll ermöglichen, dass sich die Teilnehmer voll und ganz auf einzelne Aspekte fokussieren können. Inhalte und Problemlösungen stehen im Vordergrund. Des Weiteren wird jeder Teilnehmer in den Prozess mit einbezogen, wodurch die Motivation steigt. Dadurch, dass jeder Teilnehmer etwas zur Lösung beigetragen hat, soll am Ende auch ein hohes Maß an Motivation zur Umsetzung der Lösungsvorschläge vorhanden sein.

Phasen der Moderation

Wie in den meisten bereichen des Lebens ist auch die Vorbereitung der Moderation ausschlaggebend für ihren Erfolg. Diese Aufgabe obliegt dem Moderator. Im Vorfeld muss dieser die folgenden Fragestellungen klären:

  • Welcher Personenkreis wird eingeladen?
  • Status quo klären (was ist das Problem?) und das Ziel der Sitzung festlegen
  • Wie wird das Ziel durch sinnvolle Arbeitsschritte erreicht?
  • Welche organisatorischen Aspekte müssen einbezogen werden (z.B. Räume mit Projektor etc.)
  • Information der eingeladenen Gäste

Um diese Fragestellungen grob zu klären, kann es in manchen Fällen auch sinnvoll sein, sich im Vorfeld mit Beteiligten abzustimmen.

Die einzelnen Phasen der Moderation sind sehr einfach untegliedert in:

  1. Einleitung: Vertrautmachung der Personen untereinander und Bewusstmachung der bevorstehenden Aufgaben
  2. Arbeitsphase: Erarbeitung der Problemlösung
  3. Abschlussphase: Sammlung der Ergebnisse und Bewertung der Kollaboration

Trotz der zugrundeliegenden Einfachheit, muss der Moderator jede einzelne Phase in sinnvolle Einheiten gliedern, die auf das eigentliche Problem zugeschnitten sind. Im folgenden sind grundlegende Aspekte des Aufbaus jeder Phase kurz erläutert:

Einleitungsphase

In der Einleitungsphase soll eine passende Arbeitsatmosphäre geschaffen werden. Dazu gehört auch, dass der Moderator seine Rolle klarstellt und die Regeln festlegt, nach denen miteinander kommuniziert wird. Auch die Ziele sowie das Thema der Sitzung sollten den Teilnehmern klar vor Augen geführt werden, damit diese sich auf die Arbeit einstimmen können. Dazu gehört auch der Zeitplan mit konkreten Arbeitsschritten, die durchzuführen sind. Der Moderator stellt den Teilnehmern auch die Moderationstechniken vor, die er für die einzelnen Schritte festgelegt hat. Wichtig ist, dass der Moderator nicht nur die Frage „Wer macht was und wann“ klärt, sondern erläutert, warum welcher Schritt wichtig für die Problemlösung ist.

Arbeitsphase

Der Arbeitsphase können verschiedene Arten von Moderationsaufträgen zugrunde liegen. So kann das Ziel zum Beispiel eine Ideenfindung, die Entwicklung eines Lösungswegs oder das Finden von Zielen für ein bestimmtes Problem sein.
Dabei kann immer zunächst kurz die Ausgangslage analysiert und prägnant zusammengefasst werden, die als Basis für die klare gemeinsame Zielformulierung sowie weitere Schritte genommen wird.
Durch die ganze Arbeitsphase hindurch ziehen sich ein System bestehend aus Leitfragen, die logisch aufeinander aufbauen und letztendlich zur Lösung führen. Die Arbeitsschritte beziehen sich auf diese Leitfragen und werden entweder von allen Teilnehmern gemeinsam – oder aber in Kleingruppen behandelt. Letztere Option hat mehr Vorteile (vor Allem zeitliche!). Am Ende der Arbeitsphase steht im Optimalfall als Resultat der Arbeitsschritte ein konkreter Handlungsplan mit Rollen- und Zeitverteilungen.

Abschlussphase

In der letzten Phase wird die Zusammenarbeit bewertet. Dafür fasst man zunächst die erfüllten Arbeitsschritte zusammen und führt eine Rückschau durch. Wurden gewisse Schritte in Kleingruppen ausgeführt, kann so noch einmal der Sinn für alle Zusammenhänge bei den Teilnehmern gestärkt werden. Auch die Zusammenarbeit unter den Mitgliedern muss kurz und knapp bewertet werden. Wichtig ist vor Allem das Sammeln und Festhalten der Ergebnisse sowie ein Ausblick für die weitere Vorgehensweise bezüglich des jeweiligen Problems.

Moderationstechniken im Überblick

Während der gesamten Sitzung steuert der Moderator die Vorgehensweise. Dabei können etwa auch Konflikte auftreten, die es zu bewältigen gilt. Für diesen Zweck sollte der Moderator eine Reihe von Methoden und Moderationstechniken kennen, die er nach eigener Bewertung in die einzelnen Arbeitsschritte integriert. Im Folgenden erläutere Ich eine Auswahl wichtiger Moderationstechniken.

Brainstorming-Technik

Brainstorming bei einer Moderation
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Beim Brainstorming sollen innerhalb von kurzer Zeit möglichst viele Ideen zu einer in den Raum gestellten Frage gefunden werden. Die Antworten der Teilnehmer werden für jeden sichtbar notiert, aber nicht bewertet – denn: Je mehr kreative Ideen, umso besser! Anschließend wird versucht, die Antworten gemeinsam zu kategorisieren und auf ihre Nützlichkeit für die Problemlösung hin zu untersuchen. Der große Vorteil am Brainstorming ist, dass jeder Teilnehmer involviert ist und somit eignet sich diese Technik oft zum „warm werden“.

Kartenabfrage-Technik

Kartenabfragetechnik für Moderation
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Die Technik der Kartenabfrage ist gerade bei sensiblen Themen empfehlenswert. Geht es bei dem Hauptproblem etwa um die Beziehung zwischen verschiedenen Mitarbeitern, so lässt sich eine Kartenabfrage folgendermaßen durchführen: Der Moderator fragt, welche Grenzen die Teammitglieder bei Beziehungen am Arbeitsplatz als sinnvoll erachten. Jeder Teilnehmer schreibt nun eine kurze Meinung auf eine Karte. Die Karten werden anschließend vom Moderator gemischt und einzeln vorgelesen. Anschließend werden sie an eine Wand gepinnt und von den Mitgliedern kategorisiert und diskutiert.

Mindmapping-Technik

Mindmapping als Moderationsmethode
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Das Mindmapping findet nicht nur beim Lernen Anwendung, sondern eignet sich ebenfalls hervorragend als Moderationstechnik. Der Moderator schreibt für jeden gut sichtbar eine grundlegend zu lösende Frage auf. Die Teilnehmer rufen ihm nun nacheinander sinnvolle Hauptthemen zu, in die sich die Frage gliedern lässt. Sind alle Hauptäste erstellt, können die Teilnehmer ihre Voschläge für Unterpunkte zu den Hauptästen äußern und vom Moderator aufschreiben lassen.

Problem-Analyse-Schema

Eine für jeden Arbeitsschritt gut anwendbare Technik ist das Problem-Analyse-Schema.
Ist ein Problem im Großen und Ganzen bekannt, kann es mit dieser Methode genauer durchleuchtet werden. Dafür wird eine Tabelle aufgemalt, die folgende Spaltenbezeichnungen trägt: „Wie zeigt sich das Problem?“ „Welche Wurzel/Ursache hat es?“ „Was tun wir dagegen?“ „Mögliche Dinge, die im Weg stehen?“. Natürlich könnte man den Spalten auch andere Bezeichnungen geben. Es geht darum, das Kernproblem granular aufzuteilen und zu durchleuchten. Die Anwesenden befüllen nun nacheinander jede Zeile mit ihren Ideen. Hat ein Problem beispielsweise mehrere Ursachen, so werden diese in die zweite Spalte untereinander geschrieben.

Problemanalyseschema für Moderation

Szenario zur Anwendung von Moderationsmethoden

In der Universität ABC gibt es in letzter Zeit immer mehr Spannungen unter den Dozenten. Unter Anderem soll es bei den Streitereien um Raumverteilungen gehen. Die Gründe sowie ein grober Handlungsplan dafür sollen mit einem Moderator unter den betroffenen Personen erarbeitet werden. Der Moderator könnte also die Sitzung durchplanen und sich zunächst erkunden, welche Personen häufig in die Problematik involviert sind. Er könnte ebenfalls bereits erahnen, dass sich dieses Problem durch EDV-Unterstützung lösen lässt und einen Experten einladen. Nach Erscheinen aller Beteiligten könnte er zunächst mit einer anonymen Kartenabfrage beginnen. Nachdem die Beteiligten ihre Ärgenis auf die Frage „Welche Umstände erzeugen unter Ihnen Ärger in der Uni?“ äußern, werden die Antworten kategorisiert. Schnell stellt sich heraus, dass der wichtigste Aspekt die Nichtverfügbarkeit von Räumen zu bestimmten Zeiten ist. Ein weiterer Aspekt ist die Nicht-Absprache bei Klausurterminen, was großen Frust bei Studenten erzeugt (welchen diese dann bei den Dozenten „abladen“). Der Moderator führt nun im zweiten Arbeitsschritt eine Konkretisierung der zwei Hauptprobleme durch und verwendet dafür jeweils das Problem-Analyse-Schema. Nachdem die Probleme im Detail „erkundet“ wurden, wird der EDV-Spezialist um einen Lösungsvorschlag gebeten. Gemeinsam erarbeiten alle Teilnehmenden ein Schema, das EDV-gestützt umgesetzt werden soll. Es werden nach Zusammenfassung aller Ergebnisse zwei Freiwillige gewählt, die alle anderen involvierten Personen auf dem Laufenden halten und die Entwicklung des Systems nach festgelegten Terminen „im Auge behalten“.

Bildquelle #1: Dell’s Official Flickr Page

Bildquelle #2: MShades

Bildquelle #3: blankdots

Bildquelle #4:adactio

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